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Am 8.1.1968 Eintritt in den Bundesgrenzschutz in Coburg bei der 15. Hundertschaft als Grenzjäger (A 1). Ab der ersten Woche Spitzname "Kotelett". Grundausbildung. Spezialausbildung. Schwerpunkt: Granatwerfer 81 mm, geschütze Sonder-wagen. Nach 9 Monaten Abordnung nach München zum Wachzug beim Grenzschutzkommando Süd. Ich gewinne Abstand zu den wilden 60er Jahren. Manche heutige führende Politiker haben eine Generation länger gebraucht.


Einweisung an der Zonengrenze im Februar 1968


Bange acht Stunden: Im SW I marschbereit bei der Niederschlagung des "Prager Frühlings" 1968


Skiausbildung im Frankenwald


1969 Unterführerlehrgang in Deggendorf. Lehrgangsbester. Gruppenführer für Grundausbildung in Coburg. Grenzstreifen, Standortwachen, Übungen. Tatenlos zuschauen und dokumentieren, wie die Demarkationslinie zur sowjetischen Besatzungszone -mache nannten das Gebilde "DDR" - in meiner Heimat, meinem so geliebten Frankenwald, nur 1 km vom Geburts- und Wohnort, mit Sperranlagen ausgebaut und vermint wird. Gräben. Zäune. Schussfelder. Schändung der Landschaft. Selbstschussanlagen. Schießbefehl. Ein Oberleutnant der "DDR"-Grenztruppen, die die Pioniere der NVA bei den Bauarbeiten überwachen, gab in meine Richtung einen Warnschuss ab, weil ich einen Fussbreit das "Staatsgebiet der DDR" verletzt hatte. Trotz seines "mutigen" Auftretens gelingt einem zu bewachenden Soldaten später die Flucht. Kürzlich hat der Ex-Offizier beim Einkaufen in einem Sonneberger Geschäft mich erkannt und ist ausgerissen. Selbst im Opa-Alter noch Oberfeigling. Ohne Uniform ein Nichts. Aber wahrscheinlich jetzt nach der Wiedervereinigung gut versorgt. - Im Gegensatz dazu stets die allerbeste Zusammenarbeit mit der Bayerischen Grenzpolizei, dem Zollgrenzdienst und der US-Army. Gruß an alle, die mich noch kennen!


Gruppenführer beim Granatwerfer-Zug


Gruppenführer bei der geschützen Hundertschaft 15./GSG 2 in Coburg.


Kurzzeitig Verlegung unserer Hundertschaft nach Oerlenbach zur Übernahme des Grenzüberwachungsdienstes. Ich werde "Verbindungsoffizier" zu den dortigen Behörden und der Bundeswehr. 


Fahrschule Klasse 2


1970 Selbstverteidigungslehrgang Grenzschutzschule Lübeck. Seither Gurtträger Jiu-Jitsu. 1971 Stv. Zugführer-Lehrgang ebenfalls in Lübeck. Wieder Lehrgangsbester. Würde ich heute nicht mehr so deichseln. 116 von 120 Ringen aus 300 m Entfernung mit dem Gewehr. Lübeck hat seinen Jennerwein.


1970: Lehrgang für waffenlose Selbstverteidigung in Lübeck


1971: Lehrgang für stv. Zugführer ebenfalls in Lübeck


Danach Abordnung nach Ströbing, jetzt Bad Endorf. Zugführer bei der Ausbildung des eigenen Nachwuchses der Skifahrer des Nationalkaders und den jungen Musikern des Grenzschutz-Musikkorps Süd. 


Zurück nach Coburg als Zugführer in der Stammeinheit. Vielleicht der schönste Teil meiner Dienstzeit. Und das mit 21 jungen Jahren. Weil ich viel lernen musste, um Bestand zu haben und mich selbst zu finden. Nur wer mit sich zufrieden ist, kann mit anderen Menschen zufrieden sein. Wer mit anderen Menschen etwas anfangen kann, kann mit Gott im Frieden leben und wachsen.


1972 Einsatz mit Halbzug bei der Olympiade in München. Revierdienst. Einsatz bei Großdemonstrationen. Objektschutz im Olympiapark mit all' seinen Sportstätten und auf dem Flughafen Riem. Gast im "geparkten" Flugzeug der "DDR-Auswahl". Innere Absperrung bei der Geiselnahme. Terroristen und Geiseln im Visier meiner Waffe beim Verlassen der Unterkunft der Israeli im Olympischen Dorf. Politisches Schießverbot. Trotzdem Finger am Abzug.




Zum Bild: Die Grenzschutzabteilung IV/2 hält ihren Tag der Offen Tür in Kronach, Damals war ich noch Werbebeamter, sogenannter "Seelenfänger". Denn anfangs der wirtschaftlich fetten aber auch vom Terrorismus geprägten 70er Jahren wollten nur wenige junge Männer BGS-Beamte werden.


Objektschutz auf dem Flughafen Stuttgart. Ein Freund wird vor meinen Augen versehentlich angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Niemand ist für den Rettungstransport zuständig. Trotz mehrerer Rettungshubschrauber und unzähligen Rettungsfahrzeugen. Die einen dürfen nicht rein und die anderen nicht raus. Mensch, was bist Du wert. Er überlebt. Trotzdem bittere Erfahrungen. Traurig.


Grenzsicherung gegen Einschleusungen von Algeriern im Saarland.


Ständige eigene Weiterbildung und Förderung: Oberstufe Grenzschutzfachschule, wiederholt Deutsches Sportabzeichen, Rettungsschwinmmer, Schützenschnur, Combat-Schütze, Gewinner interner Wettbewerbe, Führerschein Klasse II und für geschützte Sonderwagen u.v.m.


Grenzstreife im oberen Frankenwald (über 700 m NN)


1973 ein prägender Höhepunkt: Übernahme des Personen- und Objektschutzes von Bundesanwalt Buback, BW-Innenminister Bender, Bundesrichter Fischer und Bundesanwalt Zipfel in Karlsruhe zu den Terrorzeiten der Baader-Meinhof-Bande von der Landespolizei Baden-Württemberg mit meiner eigenen Teileinheit.


Umwandlung des BGS von der paramilitärischen Truppe zur reinen Polizei-Truppe. Zugführer für die einjährige polizeiliche Grundausbildung in Coburg. Sonderkurse für "Nachschüler".



Feierliche Vereidigung der Dienstanfänger der neuen GSA A Süd im prächtigen Landestheater Coburg.


1976 Hundertschaftstruppführer und stellvertretender Innendienstleiter. Gesundheitliche Schwierigkeiten. Die wahre Ursache wird erst 1987 erkannt.


Im September 1978 beginnt die Berufsförderung für den Verwaltungsdienst in Bayern.


1980 scheide ich nach der vertraglichen Dienstzeit von 12 Jahren als Polizeiobermeister (A 8) aus dem BGS aus.




Zum Bild: Beim 20. Geburtstag der 15. Hundertschaft. Mit ihrem ehemaligen Chef, dem  Gründer und Kommandeur der GSG 9, dem "Helden von Mogadischu" General  Ulrich K. Wegener, bin ich ganz Ohr an Ohr. Es spircht für ihn, dass er stundenlang mir und den bereits aus der Hundertschaft ausgeschiedenen Kameraden über seine Erfahrungen berichtet, diskutiert, und nicht nur unter den Ehrengästen und Offizieren verweilt. Respekt! Ein unvergeßlicher und lehrreicher Abend, der heute jederzeit für mich wie ein Film abrufbar ist.


Fazit: 12 Jahre Erfahrungen, für die man normalerweise ein Leben oder mehr braucht. Trotz allem war ich nie ein Mitläufer, kritisch, sensibel, deshalb manchmal meiner Führung unbequem. Wurde aber nie deswegen benachteiligt. Als Vorgesetzter war ich bestimmt kein "Weichei" und wurde so wie war  angenommen und gesucht, wenn ein Rat gebraucht wurde. Danke, Jungs!


Traurig: Heute gibt es den BGS-Standort Coburg mit über 1300 Bediensteten nicht mehr. Dort hat schon mein Vater zu braunen Zeiten gedient. Die Geschichte lässt sich nicht löschen. Sie lehrt. Begriffen wird nichts.


An dieser Stelle ist es mir ein echtes, aus meinem tiefsten Inneren kommendes Bedürfnis, allen, die mit mir in der Truppe und den Grenzbehörden zusammengewirkt haben, besonders aber bei den Offizieren und Unterführern der 15. bzw. 1. Hundertschaft, auch jenen, die wie ich heute nicht mehr beim BGS sind, mich aufrichtig für all' das zu bedanken, was ich überwiegend im Guten und weniger im Schlechten erleben durfte. Sollte ich einen Untergebenen oder Vorgesetzten durch meine Worte verletzt haben, so bitte ich von hier aus, mir dies zu verzeihen.


Um so mehr freut es mich, dass so viele Jahre nach meinem Ausscheiden und seit dem Wegfall der unseligen Grenze durch Deutschland im Jahr 1989, die dem BGS und damit meinen verbliebenen Kameraden ganz andere Aufgaben hat zukommen lassen, noch ein guter Kontakt zu vielen "Ehemaligen" besteht und auch heute ab und zu beim BGS noch über mich gesprochen wird.


Keiner, den ich als Zugführer ausbilden durfte, keiner, der bei mir Gruppenführer war,  geht heute an mir wortlos oder stinkig vorbei. Im Gegenteil. Das Wiedersehen ist immer ein Akt der Freude, das Aufleben von Gemeinsamkeiten und sofort ist es wieder da: das Gefühl des Zusammenhaltens. Diejenigen wenigen aus der Ebene der Führer und Unterführer, die mich nicht mehr kennen wollen oder dürfen, kann ich verstehen und respektiere ihre Haltung.  Ich wünsche allen meinen beim BGS verbliebenen und ausgeschiedenen Kameraden weiterhin Gesundheit sowie Glück und Erfolg. Dies möge auch im privaten Bereich so gelten. 


Seit Herbst 2005, habe ich neue Kontakte mit ehemaligen BGS-Kameraden geknüpft. Sie haben wie ich das gleiche Ziel:  Die BGS-Erinnerung der Vielen, die dort Dienst geleistet haben, soll auch online von einer Truppe, die es heute so nicht mehr gibt, aufrecht erhalten werden.



© Bernhardt Lang


 
   
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